Griechenland in Flammen

Geschrieben von Yavor Tarinski

Dies sind Bilder aus Euböa (Εύβοια), Griechenland, wo wegen der rasenden Waldbrände hunderte Häuser niedergebrannt sind und ihre Bewohner:innen – jetzt Klimaflüchtlinge – gezwungen sind, in Notunterkünfte in Sporthallen zu fliehen. Es ist nicht nur Euböa, in vielen Gegenden Griechenlands verschlingen die Flammen den fünften Tag in Folge sowohl Wälder als auch menschliche Siedlungen. Sie hinterlassen vollständig zerstörte lebensnotwendige Ökosysteme und zerstörte Grundlagen des Lebensunterhalts der Bewohner:innen.

Auch geht es nicht nur um Griechenland – Modellrechnungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten die Menge der Klimaflüchtlinge weltweit die Zahl von einer Milliarde wohl übersteigen wird. Die Hauptantriebskraft dieser Desaster – Waldbrände, Fluten, Dürren, etc. – ist der vom Kapitalismus verursachte Klimawandel. Jahrzehnte neoliberaler Reformen und Austeritätsmaßnahmen haben dies nur verschlimmert, da sie unsere Gesellschaften in einer Lage extremer Verletzlichkeit hinterlassen – Gesundheitssysteme, Feuerwehren, Wasserwerke und weitere öffentliche Einrichtungen wurden systematisch abgewrackt und für kurzfristige Profite und einige wenige, machtvolle und unverhältnismäßig reiche, Eliten verkauft.

Das Einzige, wovon es gerade noch Überfluss gibt, sind die Polizeikräfte, die sicherstellen, dass die Vertriebenen in ihren schnell errichteten Klimaflüchtlingscamps bleiben und dass keine breiten Protestbewegungen das, sich immer weiter verstärkende, Machtungleichgewicht in unseren Gesellschaften gefährdet.

Ein anschauliches Beispiel für diesen Umstand ist, dass in ganz Griechenland gegen die derzeit wütenden Waldbrände weniger als eintausend Feuerwehrleute an alle Feuerfronten geschickt wurden, während 4.000 bis 6.000 Polzeieinheiten systematisch bei einer einzelnen Demonstration in Athen eingesetzt wurden – am meisten zu erwähnen hier die jährliche Demonstration am 6. Dezember in Gedenken an Alexis Grigoropoulos, der kaltblütig von einem Polizisten ermordet wurde.

Tatsächlich haben, an vielen Orten Griechenlands, da es nicht ansatzweise genug Feuerwehrleute vor Ort gab, selbstorganisierte Anwohner:innen und Freiwillige den Waldbränden den Hauptteil des Widerstands entgegengebracht. Diese Situation ähnelt stark der der Pandemie, in der die Leute in den Städten Unterstützungsnetzwerke für die am meisten Gefährdeten organisierten, da diese durch die systematische neoliberale Demontage des Gesundheitssystems auf sich allein gestellt sind.

Allen, die sich darüber beschweren, wo in dieser Situation jetzt der Staat sei, habe ich folgendes zu sagen: es gibt einen Staat, der hat aber Interessen, die denen der breiten Mehrheit diametral gegenüber stehen.

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